Hier ein längst fälliger Nachtrag. So viele eigentlich, ich muss mal noch die ganzen Berichte von Anke durchgehen, um zu sehen, wo sie überall auf weitere Ausführungen von mir verweist…
In diesem Erfahrungsbericht soll es um meine bisher leider einzige aber dafür nette Surferfahrung gehen.
Lange lange ist es schon wieder her, dass wir einen Ausflug nach Tofino gemacht haben, weil Eva uns besucht hatte (sechs Wochen. Mann, es ist schon bald Halbzeit, dabei geht die Reise doch gerade erst richtig los). Auf jeden Fall war, wie wohl üblich, das Wetter nicht so der Burner, eher der Wetter. Für’s surfen aber ist das egal, nass ist es ja sowieso. Schon vor unserer Reise hatte ich mich nach Surfschulen umgeschaut, um eventuell einen kleinen Kurs zu machen. Die Surf Sisters hatten es mir natürlich gleich angetan und nach einigem hin und her überlegen, ob die Familie sich beschäftigen kann, obwohl das Wetter zu wild für whale watching war, und ob die Wellen in Ordnung sind, wollte ich es machen. Das schlagende Argument war letztendlich, dass die anderen Teilnehmer des eigentlichen Gruppenkurses sich wegen dem schlechten Wetter abgemeldet hatten. Ha! Also Privatstunde für mich. Und wo man sparen kann, bin ich natürlich sofort dabei.
Mit einer quasi Surfchampionistin bin ich dann nach kurzer theorethischer Einführung mit ihrem coolen Surfbus an den Strand gefahren um im Regen die Fluten zu entern. Eine coole Stimmung war das, wir in unseren Neoprenanzügen mit Neoprenkapuze und je einem Brett durch Wind und Regen ins flache Wasser. Zunächst haben wir ein wenig “Whitewatersurfing” probiert, das heisst erst nach der gebrochenen Welle, wo alles weiß und sprudelig ist, auf’s Brett zu springen und eher gemütlich mit sanftem Druck an den Strand gespült zu werden. Das ist, was man üblicherweise bei einem Einsteigerkurs in drei Stunden lernt. Ich als alter Surfhase (pff) mit chronischer Selbstüberschätzung, habe natürlich schon in unseren Vorgesprächen klar gemacht, dass ich natürlich ins “Green” will, dort wo die Wellen noch nicht brechen, wo man rumdümpelt um auf “die” richtige Welle zu warten. Nach kurzer Zeit war mein Surfcoach mit meinem Whitewatersurfing zufrieden, also auf ins Green, was mir zum Verhängnis wurde. Nein, so schlimm war es nicht, aber wie ich schon mal auf Sylt hatte lernen müssen, ich habe wohl nicht die nötige Technik und power, um da vernünftig raus zu kommen. Sau anstrengend und nach jedem missglückten Versuch wieder rauskämüfen, mit dem Duckdive oder der Turtelroll. Und wenn man so eine Einzelstunde hat, liegt die ganze Aufmerksamkeit auf einem selbst. Nach knappen zwei Stunden, ein paar Salzcocktails und keinem wirklichem “Stand” war ich bereit nach Hause zu gehen. Naja, ich brauchte wenigstens eine Pause. Dann habe ich es noch eine Weile probiert und auch ohne aus dem Green heraus eine Welle zu stehen hat es großen Spaß gemacht, das wilde Wetter, die Einzelbetreuung und eben das Surfen.
Gelernt habe ich auch was, das ist ja das schöne an körperlicher Aktivität und vor allem an so geradezu meditativen Sportarten wie dem surfen. Ich wusste es zwar schon vorher, aber das Surfen hat es mal wieder verdeutlicht: Geduld ist immer gut. Draußen sitzen und die richtige Welle, den richtigen Moment abwarten muss man aushalten können. Noch wichtiger ist es aber, wenn der richtige Moment kommt und man geschafft hat ihn zu erkennen, ihn mit voller Überzeugung, mit Commitment wahrzunehmen und dann nicht mehr zu zögern, zweifeln oder überhaupt nachzudenken. Da haben wir’s, mein Hauptproblem.
Und über das Lernen habe ich nachgedacht. Immer wenn ich solche Kurse mache, frage ich mich hinterher, ob es das Wert gewesen ist. Meist denke ich zwar, dass da Kleinigkeiten (auf die es natürlich ankommt) dabei waren, aber doch setzen die Kurse für mich an der falschen Stelle an. Ich bin oft schon über das Basiswissen hinaus und danach scheint dann nur noch das üben, die Selbsterfahrung zu kommen. Bei allen Angeboten steckt immer noch das alte Prinzip dahinter: ich geh da mal hin, dann bekomme ich das beigebracht. Liegt mir nicht. Entschuldigt die übertrieben hervorgehobene Verbindung zu meinen Studien- und Arbeitsthemen, aber da muss sich was ändern. Bei den Anbietern und vor allem bei der Erwartungshaltung der Teilnehmer.
Was bleibt? Der Wunsch noch viel mehr und entspannt zu surfen. Familienurlaub in Portugal 2011 wir kommen…






